In der Tradition Walther Rathenaus

Als bedeutendster Wegbereiter für das Zschornewitzer Großprojekt wird Dr. Walther Rathenau angesehen, der älteste Sohn des Gründers der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG), Emil Rathenau.

Walther Rathenau, geboren 1867 in Berlin, war ein deutscher Industrieller, Intellektueller und Politiker (Deutsche Demo­kratische Partei). Der promovierte Physiker leitete von 1893 bis 1899 den Aufbau der AEG-Tochter „Elektro­chemische Werke“ in Bitterfeld.

Nach einer leitenden Position für das väterliche Unternehmen war er ab 1902 im Vorstand der „Berliner Handels-Gesellschaft“ (BHG) tätig und erschloss der AEG neue Absatzmärkte.

Walther Rathenau

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs stellte sich Walther Rathenau aus Sorge um die deutsche Rohstoffversorgung der Reichsregierung als Experte zur Verfügung. Nach dem Ersten Weltkrieg zog man ihn als Außenwirtschaftsberater heran. 1921 wurde er Wiederaufbauminister und einige Monate später Außenminister. Am 24. Juni 1922 starb Walther Rathenau durch ein von Rechtsradikalen verübtes Attentat.

“Das Kommende ist wunderbar…”

In seinem 1917 im Verlag S. Fischer erschienen Buch „Von kommenden Dingen“ analysiert er die sich herausbildende Weltgesellschaft. Er beginnt die Einleitung mit der Bemerkung, dass das Buch von materiellen Dingen, jedoch um des Geistes willen handelt. Entwicklung ist für ihn die entscheidende Denkform, die uns Menschen von den Tieren unterscheidet. Beharren ist unmöglich. Sein Blick richtet sich klar nach vorn: „(…) das Kommende ist wunderbar, nicht weil es aus dem Nichts kommt, sondern weil es das Gemeine wandelt. All unser Tun hat etwas Seherisches, denn jeder Schritt trägt in die Zukunft.“

Die Bestimmung des Menschen zur Naturbeherrschung nennt er „Mechanisierung“, die alle Lebensbereiche mit rationaler Effizienz durchdringt, und die Ernährung sichert, jedoch auf Kosten der Freiheit. Rathenau sieht das Wachstum des Verbrauchs nicht als Sinn der menschlichen Existenz und entwickelt ein Programm einer umfassenden Reform der Gesellschaft.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte er als Politiker die Vision eines gemeinsamen Friedens in Europa.

Das Forum Rathenau sieht die Persönlichkeit Walther Rathenaus und den Ort Zschornewitz als prototypisch für den Paradigmenwechsel. Das Buch Rathenaus „Von kommenden Dingen“ ist ein beeindruckender Ausdruck einer Zukunftsunsicherheit, eine Suchbewegung, eine kulturelle Bewältigung in einer unsicheren Zeit, den Blick in die Zukunft zu richten.

Das Forum Rathenau sieht sich in der Tradition Rathenaus und möchte transdisziplinär Kunst, Wissenschaft und Forschung verbinden.