Elena Herzel im Gespräch

„Wir müssen innovativer werden“, sagt Elena Herzel, Geschäftsführerin der Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Anhalt-Bitterfeld mbH (EWG), die digital zur Podiumsdiskussion des Carbon Cycle Culture Club (C4) am 16. Dezember 2021 zugeschaltet ist.

Die Vorschläge der Referenten zum Thema „Negative Emissionen ab 2050 – aber wie?“ findet sie unheimlich spannend. Sie war bereits bei der Gründungsveranstaltung des Forum Rathenau e.V. und erhofft sich Impulse für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld aus dem ehemaligen Kraftwerk Zschornewitz.

„Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt hier in Anhalt-Bitterfeld“, sagt die 49-Jährige kommunale Wirtschaftsförderin im Vorgespräch. „Wir brauchen CO2-neutrale Gewerbegebiete in unserem Landkreis.“

„CO2-neutrale Gewerbegebiete braucht der Landkreis.“

Herzel hat die Unternehmen ihres Landkreises im Blick, der eine große Branchenvielfalt aufweist: Von Ernährungswirtschaft über Maschinenbau und Landwirtschaft bis hin zum industriellen Kern der chemischen Industrie in Bitterfeld-Wolfen. „Energiepreise und Fachkräfte – das sind die Themen der Unternehmen in den nächsten fünf Jahren“, so Herzel.

Für die Unternehmen bedeuteten „negative Emissionen“ zusätzliche Kosten. Bei den Ansiedlungsanfragen sei ein wichtiger Punkt, dass zukünftig nachhaltige Medien wie Gase, Flüssigkeiten und Energieanschlüsse für die Unternehmen zur Verfügung stehen.

Vom Strukturwandel ist der Landkreis nicht mehr direkt betroffen, aber die Narben sind noch zu sehen, meint Herzel. Die Bevölkerungsstruktur ist vergleichsweise alt. Die EWG will den Standort auch für jüngere Menschen attraktiver gestalten.

Attraktive Arbeitsangebote sollen das Blatt wenden

In Bezug auf den Fachkräftemangel sagt die seit vier Jahren tätige Geschäftsführerin: „Noch leiden wir auf einem relativ hohen Niveau, aber wir müssen gegen diese negative Entwicklung etwas tun.“ In bestimmten Bereichen fehlten gut Ausgebildete. „Wir hoffen, dass wir vom Wachstum der Metropolen Leipzig und Halle profitieren“, sagt sie.

Die Wohngebiete in Anhalt-Bitterfeld füllten sich bereits schnell, da gerade in Leipzig die Immobilienpreise explodierten. Derzeit hat der Landkreis mehr Auspendler als Einpendler, aber alle hoffen, dass sich das durch attraktive Arbeitsangebote in den nächsten Jahren dreht, meint Herzel, die selbst der Liebe wegen nach Wolfen zog.

Innovationen statt Bodenschätze

Das Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen (TGZ), in dem sich der Sitz der EWG befindet, bietet Start-up-Unternehmen kostengünstige Räume und Flächen, die für eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) geeignet sind.

Die Idee ist, dass sich eine Chemiestudentin oder ein Chemiestudent aus Merseburg, Frankfurt oder Berlin mit einem Start-up selbständig macht, die Laborbereiche des TGZ nutzt und später ein Grundstück im Chemiepark erwirbt, um dort ein Unternehmen anzusiedeln. „Dieser Idealfall kommt leider zu selten vor“, sagt Herzel. Denn eine Gründung in diesem Bereich ist sehr kostenintensiv.

„Wir sind das Land der Ingenieure.“

Historisch ist die Region prädestiniert für solche Neugründungen. Walter Rathenau (1867-1922) war einer der Gründerväter des Bitterfelder Chemie-Standorts. Er leitete den Aufbau der AEG-Tochter „Elektrochemische Werke“ (ECW) in Bitterfeld. Es gibt eine lange Tradition in der chemischen Produktion und entsprechend auch eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für Industrieansiedlungen in diesem Bereich, so Herzel, die seit 25 Jahren in der Wirtschaftsförderung tätig ist. „Wir sind das Land der Ingenieure. Daran müssen wir weiter anknüpfen“, sagt Herzel: „Wir brauchen Innovation, da wir keine Bodenschätze haben.“

Autorin: Simone Everts-Lang